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Die guten alten Zeiten ....

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... und das gefällt dem Mr. Value sehr. Naja, besser gesagt: Sie sind billiger und tun eben nicht genau das was wir taten. Deshalb brauchen wir ja auch noch einige von uns, um aufzupassen. Wir sind jetzt nämlich alle Manager! Aber weil sie so billig sind, können wir uns „uns“ noch dazu leisten, zumindest ein paar von uns. Die anderen werden nicht mehr gebraucht und bekommen als Entschädigung einen Golden Handshake zum Abschied und ein bisschen Überbrückungszeit in einer Transfergesellschaft für einen gleitenden Übergang in eine neue andere Welt. Das brauchen wir nämlich, denn der Abschied von einem Unternehmen das mal fast so was eine Mutter für uns war, nach vielleicht sogar 25 Jahren Dienstzeit macht Angst und wirft die Frage auf, ob wir … oder besser ob ich (jetzt bin ich ja plötzlich alleine) für den freien Markt überhaupt noch von Interesse bin. Naja, zumindest die meisten von uns bekamen noch so ein Händeschütteln …. einige soll es auch per Insolvenz oder Standortschließung in die große weite Welt katapultiert haben.

Wenn wir uns dann von Zeit zu Zeit treffen, im Kreis der Ex-KollegInnen, dann werden die Erinnerungen wach an die „guten alten Zeiten“. Viele haben schon ihre Ausbildung bei diesem Unternehmen absolviert oder sind während oder nach dem Studium dazu gestoßen. Firmenzugehörigkeiten von 10-25 Jahren sind in unserem Kreis keine Seltenheit. Nennen wir das Unternehmen der Einfachheit halber hier einfach mal die DUT AG. Ihr Gründer, Werner vom Dutag, ist übrigens bereits Ende des 19. Jahrhunderts verstorben. Wir wissen also nicht, wie er heute gehandelt hätte oder was er zu den ganzen Entwicklungen der letzten Jahre gesagt hätte.

Was war nun eigentlich das besondere an der „alten“ DUT AG? Warum sind wir so lange geblieben und warum haben wir uns dort so zu Hause gefühlt? Zum einen war die DUT AG für uns so etwas wie eine Mutter. Einmal dabei, gab es eigentlich keinen Grund, vor der Rente auszuscheiden. Und zur Belohnung für langjährige Dienste bekamen wir dann auch noch eine Firmenrente dazu. Es war das Gefühl der Zugehörigkeit und auch der Sicherheit. Des versorgt seins. Da war jemand, der für uns sorgte und auch zu uns stand, wenn mal was unvorhergesehenes passierte, eine längere Krankheit oder so. Eben das, was sonst Vater und Mutter tun. Und das verkörperte auch unser Chef. Sein Job war es, für uns zu sorgen, uns zu Loben und zu Fördern, zu uns zu stehen, wenn mal was schief lief, er war oft so was wie ein Mentor und hielt uns den Rücken frei, damit wir unseren Job an der Basis tun konnten. Erfinden, entwickeln, produzieren, verkaufen. Und das taten wir gerne. Denn das was wir da geschaffen haben, war unser Baby. Wir hatten die ersten zündenden Ideen, haben Prototypen gebaut, haben entwickelt, verbessert, optimiert, getestet und das Baby dann in den Alltagseinsatz beim Kunden entlassen. Gerade dieser Schritt hat uns immer wieder mit Stolz erfüllt und war ein Grund zu feiern. Gab es Probleme haben wir geschult, unterstützt, optimiert. Wir waren überzeugt von dem was wir taten. Heute gibt es nur noch Spezialisten. Der eine denkt es sich aus, die nächste programmiert nach Vorgabe, der Dritte testet nach Plan, die Vierte führt ein, der Fünfte hilft, wenns dann doch nicht geht. Wir geben uns Mühe dabei, denn wir wollen ja nicht, das die Inder das bald tun, was uns noch geblieben ist. Aber es ist nicht mehr unser Baby. Das würden wir nämlich freiwillig nicht fünfteilen. Es ist eine Anwendung. Und wenn die nicht geht ist immer der andere Schuld.

Nun, das Rad des Lebens dreht sich unaufhörlich. Altes vergeht, Neues entsteht. Und die „guten alten Zeiten“ sind ein für alle Male vorbei. Mögen sie in Frieden ruhen. Manchmal geht das alles etwas zu schnell und wir möchten rufen: „Stopp, anhalten! Pause bitte!“. Und genau diese Pause müssen wir uns selbst gönnen. Egal, ob der blaue Brief schon da ist oder ob wir „nur“ merken: „Es stimmt nicht mehr. Ich kann nicht mehr. Ich will nicht mehr.“ Tun wir es nicht, so nehmen sich unser Körper und unser Geist früher oder später die Auszeit. Burnout, Depression und psychosomatische Erkrankungen nehmen immer mehr zu. Das neueste Wort, das ich gelernt habe, ist der Fachbegriff der „Anpassungsstörung“. Darunter verbirgt sich all das, was so passieren kann, wenn man sich in Zeiten des Umbruchs keine Zeit dafür nimmt, den Wandel bewusst zu erleben, mit allen Gefühlen und Gedanken, die das auslöst. Diese Zeiten können Zeiten einer inneren Tiefe sein, in denen wir uns bewusst wieder auf das Wesentliche ausrichten. Auf diesem Boden kann dann das Neue kraftvoll wachsen.

Ich selbst habe mich bereits vor 4 Jahren in diese neue Welt gewagt und kann bezeugen: Auch in dieser fremden Welt gibt es Leben! Sogar viel Leben! Und dieses Leben kann man gestalten. Manchmal gestaltet es sich auch ein bisschen selbst. Aber das macht nichts. Es hat irgendwie was von „Schwimmen lernen“.

Heute begleite ich als Beraterin & Coach Menschen dabei, in Zeiten des Umbruchs „schwimmen zu lernen“. Es geht oft drum, die Sicherheit, die Anerkennung und Wertschätzung, das Versorgtsein, die Zugehörigkeit und den Sinn unseres Tuns auf eine ganz neue Art zu entdecken, als wir es aus den „guten alten Zeiten“ kennen. Es geht oft drum, Frust, Niederlage und Machtlosigkeit zu verdauen. Es geht drum, sich die Zeit zu lassen, die es braucht, anstatt aus Angst nach dem erstbesten Neuen zu greifen, das sich uns anbietet. Manchmal braucht das etwas Mut und auch den kann man lernen!

Wenn es viele Menschen gibt, die mit diesem Mut ihren neuen Platz suchen und finden, den Platz, der Ihren Fähigkeiten und Talenten entspricht, wo sie wieder mit ganzem Herzen dabei sind, so wird es viele „neue“ Unternehmen geben, die aus diesen Menschen bestehen. Und jeder von uns kann eine oder einer davon sein. Vielleicht ist das der Anfang der „guten neuen Zeiten“.

 

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